in den letzten Monaten häuften sich die Meldungen über Tornados in Deutschland. Durch diese teils zerstörerischen, teils faszinierenden, aber nicht minder gefährlichen Wetterphänomene sollen Schäden in Millionenhöhe angerichtet worden sein. Beobachtungsort der Wettereignisse lag laut Medien nicht in den USA sondern im deutschen Bundesgebiet.
Aber steigt die Zahl der Tornados über deutschen Landen wirklich an, so wie es allseits berichtet wird? Und sind die vielseits genannten Gründe, die für diese Entwicklung verantwortlich sein sollen, wirklich eindeutig belegbar?
Sehen wir uns die Realität und den Subtext der Berichterstattung einmal genauer an.
Ganz objektiv betrachtet gab es im Jahr 2008 allein 186 Tornado-Verdachtsfälle, davon konnten aber nur 43 durch Zeugenberichte und Bildmaterialien bestätigt werden. Stellt man diese Zahlen denen des Jahres 2007 gegenüber, kommt man zu dem Ergebnis, dass es ganze 63 Prozent weniger Tornados gab als im darauf folgenden Jahr.
Ist die Medienberichterstattung also nur auf Sensationsfang und Panikmacherei aus?
Durch die teils verzerrende Berichterstattung der hiesigen Medienkonzerne werden die Ereignisse anscheinend stark gepuscht dargestellt. So ist zwar korrekt, dass Tornados im Gegensatz zum 20. Jahrhundert etwas häufiger anzutreffen sind, aber dass dieses Phänomen in Zusammenhang mit dem so viel zitierten Klimawandel gebracht werden kann, ist nicht eindeutig nachweisbar.
Im Zeitalter der Computertechnik, der Handys mit Kameras und natürlich der Digicams fällt es immer leichter, Tornado-Beobachtungen nicht nur niederzuschreiben, sondern sie auch eindrucksvoll zu dokumentieren und aller Welt öffentlich zu zeigen, sei es nun schlicht per Foto oder in Form eines Videobilds mit Ton.
Die Menschen sind den Naturgewalten gegenüber aufmerksamer geworden. Seitdem das Wort "Klimawandel" in den Medien fast täglich anzutreffen ist und jedes noch so kleine Gewitter damit in Zusammenhang gebracht wird, entsteht unter der Bevölkerung eine Teilung, die gar einem Zwiespalt gleicht.
Menschen, die eine Wetterkatastrophe miterlebt haben, werden sich hüten, die Gefahren zu verharmlosen. Sie werden sich für Klimaschutz einsetzen und versuchen, nachhaltig ihre Umwelt positiv zu beeinflussen z.B. durch Nutzung erneuerbarer Energien oder Aufklärungsarbeit über die Gefahren des CO2-Ausstoßes und seiner unmittelbaren Folgen für das Weltklima.
Das genaue Gegenteil aber betreiben die Wetter-Fanatiker. Sie verharmlosen immer häufiger die Naturgewalten, um sich einem speziellen Kick hinzugeben.
Ein gutes Beispiel sind Laien, die sich als sogenannte "Stormchaser" - zu deutsch Gewitterjäger - bezeichnen. Stormchaser sind wie alle anderen zwar auch nur Menschen, jedoch unterscheiden sie sich von den meisten darin, dass sie Gewitterzellen nicht ausweichen, sondern ihnen so nah wie möglich kommen wollen. Sie setzen sich somit bewusst der unmittelbaren Gefahr eines Unwetters aus. Dabei wird von Laien oft unterschlagen, dass die meisten "echten" Stormchaser sehr viel Wert auf die Beobachtung und Protokollierung eines Wetterphänomens legen sowie auch eine gewisse Vernunft zur Vorsicht mitbringen, wenn sie sich einem Gewittersturm oder Tornado nähern. Unbedarfte Schaulustige, die sich mit der Dynamik einer Gewitterzelle nicht auskennen, unterschätzen oft die potenzielle Gefahr, die von einem Sturm mit mehren hundert Stundenkilometern Windgeschwindigkeit ausgeht.
Die Masse der Wetterfanatiker sucht nicht selten das größtmöglichste Wetterextrem und wünscht sich des Öfteren, dass noch jede so kleine Wetteranomalie auf dem Radar zu einer sogenannten Superzelle mutiert. Sie ist darauf aus, Extremunwetter-Erscheinungen zu entdecken oder noch besser: Sie zu erleben.
Dieses Gemisch aus Panik, Angst und Faszination, häufig kombiniert mit Unwissenheit und Ignoranz, stellt möglicherweise eine tickende Zeitbombe dar, da sich genau deshalb viele dieser Leute nicht auf das wirklich Wichtige konzentrieren: dem Schutz vor Wetterkatastrophen und der Wissensvermittlung, wie man diesen vorbeugt. Außerdem sind gerade wetterkundige Menschen in gewissen Maße verpflichtet, der Allgemeinheit ein sachliches Bild der wissenschaftlich erwiesenen Zusammenhänge in der Dynamik des Wetters zu vermitteln und auf die Unberechenbarkeit dieses höchst komplexen Systems der Natur hinzuweisen.
Wer sich durch die verschiedenen großen Wetterforen durchwühlt, findet dort fast täglich euphorische Beiträge zu bevorstehenden Unwetterszenarien. Dies ist der Ausdruck der Unsensibilität, der einige Wetterfanitiker zum Opfer fallen. Sie sind nicht mehr in der Lage, die Folgen und Risiken eines Unwetters richtig einzuschätzen und befürworten somit - häufig sogar unbewusst - ein chaotisches Wettergeschehen.
Dazu addiert sich die schiere Übertreibung und Unsachlichkeit, die mit den unterschiedlichsten "Wetterprognosen" einhergeht und zu Verwirrung und Unmut bei den seriösen Wetterkundigen führt.
Kurze Zeit nach der ersten Aufregung und mit dem sich Herausstellen eines verhältnismäßig normalen Wettergeschehens, schwindet die vorangegangene Euphorie wie sich auflösender Nebel und der große Unmut setzt sich in Gang, wie das Wetter nur so eintönig bleiben konnte.
Natürlich lesen in vielen bekannten Foren nicht nur Experten mit, sondern auch viele Menschen, die auf dem Gebiet der Meteorologie nur Laien sind. Dies kann ebenso zu Problemen führen, da diese Menschen sich oft auf Aussagen aus solchen Foren verlassen und ihren Alltag danach planen. Nichtangemeldete Besucher sind teilweise hilflos den Fachwortschlachten ausartenden Diskussionsthemen ausgeliefert und können keine eindeutigen Informationen mehr daraus ziehen. Nimmt man jetzt noch die Presse dazu, die nicht selten ihre Berichterstattung anhand der kostenlosen Informationen aus diesen Foren orientiert, verdeutlichen sich einem die möglichen Folgen. Jedoch zu wenige der Verantwortlichen machen sich darüber Gedanken.
Zusätzliche Gründe für die weitere Verschärfung dieser Entwicklung liegen darin, dass so manche Wetterfanatiker in entsprechende Vorhersagemodelle oder Radarübersichten etwas mehr hinein interpretieren als es seriös verhersagbar wäre. Ein kleiner roter Fleck auf einem Niederschlagsradar bedeutet oft noch lange nicht, dass es zu Unwettern kommen muss.
Schnell wird somit aus den eigentlich unspektakulären Karten ein Szenario erstellt, welches den wetterbedingten Weltuntergang innerhalb der nächsten 24 Stunden ankündigt. Dabei geht nicht selten dem einen oder anderen fanatischen Wetterliebhaber die Fantasie durch und aus einst objektiven Kartenanalysen werden vielfältige, individuelle Wunschzettelbriefchen mit apokalyptischen Weltuntergangsszenarien und "ich sehe was, was du nicht siehst"-Prognosen.
Das Eintreffen eines Ereignisses ist jedoch immer relativ unsicher. Umso größer der Zeitraum vor dem prognostizierten Ereignis ist, desto wahrscheinlicher wird es auch sein, dass die Vorhersage fehlerhaft sein könnte. Dies wird jedoch immer häufiger unterschlagen. Einige jener Wettervorhersagen und -prognosen in den einschlägigen Foren kommen einer sogenannten Glaskugelleserei sehr nahe. Deshalb sollte man sich vor der Verwertung solcher heiklen Aussagen hüten und immer den Zeitraum bis zum Eintreffen des Ereignisses nachprüfen, um die Glaubhaftigkeit einschätzen zu können.
Laien kann man also empfehlen, sich die gesuchten Informationen sicherheitshalber von eher seriösen Quellen zu besorgen, deren vergangene Prognosen sich auch größtenteils mit den später tatsächlich eingetretenen Ereignissen gedeckt haben.
Wer sich also in den kommenden Monaten durch diverse Wetterforen wült, sollte allso nicht alles glauben, was er liest. Vor allem Unwettervorhersagen sind mit Vorsicht zu interpretieren.
Nun stellt sich die Frage, woher denn diese Euphorie an Extremwetterlagen in den Medien kommt? Dazu muss man einfach einmal über den großen Teich gen USA schauen. Dort werden im Fernsehen häufig Amateuraufnahmen von den bereits erwähnten Stormchasern gezeigt. Einige dieser Filmbeiträge erreichen nicht selten auch das europäische Festland, sofern sie spektakuläre Bilder enthalten, die sich gut mit der Ideologie der Medienberichterstattung und dem aktuellen Zeitgeist verbinden lassen.
Infolgedessen berichten nicht nur die US-Medien derzeit vermehrt darüber, dass sich jährlich Hunderte von Chasern zum Wohle der Wissenschaft auf den Weg machen, um Superzellen zu entdecken, zu dokumentieren und natürlich um so nah wie möglich an diese Wetterphänomene heranzugelangen. Selbst aus Deutschland reisen Dutzende von Menschen in die USA, um dort gemeinsam mit erfahrenen Sturmjägern auf die Suche zu gehen.
Darum verwundert es nicht, dass es auch in Deutschland diverse Foren und auch Menschen gibt, die sich mit dem Thema beschäftigen.
Die stetig wachsende Begeisterung für Wetterphänomene bringt Wetterfans dazu, Gewittern hinterherzueilen, um sie dann hautnah miterleben zu können. Natürlich gibt es eine wachsende Anzahl gerade jüngerer Menschen, die sich von dieser Faszination anstecken lässt. Sicher möchte man als Hobbywetterfrosch auch einmal schlimmere Stürme, heftigere Gewitter oder größere Temperaturgegensätze beobachten dürfen, aber oftmals wird dabei vergessen, dass es nicht die Regel sein kann.
Es fehlt oft der Blick auf die Realität. Was passiert, wenn es wirklich so kommt, wie es sich so mancher Wetterfaniker ausmalt, wird oft einfach nicht gesehen. Mögliche Folgen für die unmittelbar ansässige örtliche Bevölkerung, die aufgrund eines stärker ausgeprägten Unwetters entstehen könnten, werden erst dann realisiert, wenn es einen selbst direkt betrifft oder möglicherweise betreffen könnte.
Ein Grund für die Abstumpfung jener Leute könnte darin bestehen, dass über die Menschen, die Schaden durch Unwetter erlitten haben, nur äußerst wenig sachliche Informationen in die Medien gelangen.
Besonders im Privatfernsehen werden die Betroffenen oftmals als Objekt benutzt, um nicht sachlich, sondern eher sensationell berichten zu können.
Als Grund für die Wetterphänomene wird unbehelligt der Klimawandel genannt. Der Sturm Kyrill im Jahre 2007 wurde beispielsweise zum Sturm des Jahrhunderts erklärt. Dennoch gab es in den Jahren vor der Jahrtausendwende Stürme, die nicht unbedingt schwächer waren. In diesem Sinne könnte man das Gedächtnis der Medien als sehr lückenhaft bezeichnen.
Ähnlich verhält es sich auch mit Tornados. Diese Phänomene gab es bereits vor dem Zeitalter moderner Medien in Deutschland und es wird sie auch weiterhin geben, da sie kein ungewöhnliches Wetterschauspiel in unseren Breiten darstellen. Die USA gelten nur deshalb generell als Paradebeispiel für diese Stürme, weil sie auf dem nordamerikanischen Kontinent besonders häufig, in relativ großer Zahl und in einer respektablen Größe auftreten.
In Deutschland sind Tornados eher als Windhosen im Sprachgebrauch überliefert.
Deshalb ist es wichtig, die Menschen in Deutschland und überall auf der Erde darüber aufzuklären, was als normales Wetter und was als untypisches Wetter zu bezeichnen ist. Nicht jedes kleine Unwetter und nicht jeder noch so kleine Tornado muss gezwungenermaßen Ursache des Klimawandels sein.
Hinzu kommt, dass es neben dem durch den Menschen verursachten, außerdem noch den natürlich bedingten Klimawandel zu nennen gilt. Im Laufe der Erdgeschichte ist es ein ganz normaler Zyklus , dass auf kalte Perioden Warmzeiten folgten. Diese Entwicklung hält bis heute an.
Dass der Mensch die aktuelle Entwicklung hin zur Warmzeit durch den Ausstoß von Treibhausgasen zusätzlich beschleunigt, steht selbstverständlich außer Frage.
Abschließend kann festgestellt werden, dass jeder sich sein eigenes Bild machen sollte, inwieweit das Wetter extremer wird oder relativ normtypisch bleibt. Was nicht von Vorteil sein kann, ist, dass sich viele Menschen aus Unwissenheit von Medien und bestimmten Wetterfanatikern beeinflussen lassen. Dem muss entgegengewirkt werden. Aufklärung und Wissenvermittlung sowie rationale Diskussion darüber sollten die oberste Prämisse darstellen, der sich Meteorologen, Wetterbegeisterte und Hobbywetterfrösche verpflichtet fühlen.
Dies wäre ein echter Gewinn sowohl für die Wetterforschung, die Wetterberichterstattung und die Wetterbeobachtung und könnte die derzeitig fragwürdige Entwicklung möglicherweise umkehren. Vielleicht lernt der Mensch dann aus seinen vielen Fehlern, alten wie auch aktuellen.